Das vermessene Leben. Produktive und kontraproduktive Folgen der Quantifizierung in der digital optimierenden Gesellschaft.

Das vermessene Leben.
Produktive und kontraproduktive Folgen der Quantifizierung in der digital optimierenden Gesellschaft.

Projektlaufzeit: 02/2018 – 01/2023

Förderung: VolkswagenStiftung in der Förderlinie ‚Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft‘

Leitung:
Prof. Dr. Vera King, Sprecherin (Goethe-Universität & SFI Frankfurt/Main)
Prof. Dr. Benigna Gerisch (International Psychoanalytic University Berlin)
Prof. Dr. Hartmut Rosa (Universität Jena und Max-Weber-Kolleg Erfurt)

Projektbeschreibung

Gegenstand des Projekts sind die ambivalenten Folgen einer in hohem Maße auf quantitative Steigerung ausgerichteten Optimierungslogik, wie sie im Zuge des digitalen Wandels an Bedeutung gewonnen hat. Mittels eines dreigliedrigen Projektdesigns sollen produktive und kontraproduktive Dimensionen der ‚Orientierung an der Zahl‘ und der Vermessung des Lebens
im Kontext von organisationalen und individuellen digitalen Optimierungsprozessen und hinsichtlich ihrer intersubjektiven und psychischen Bedeutungen untersucht werden.
Das geplante Projekt baut somit auf das von der VolkswagenStiftung im Rahmen seines Programms ‚Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft‘ geförderte Projekt „Aporien der Perfektionierung in der beschleunigten Moderne. Gegenwärtiger kultureller Wandel von
Selbstentwürfen, Beziehungsgestaltungen und Körperpraktiken“ (APAS) auf, das die Bedeutung und Folgen der Anforderungen an Optimierung sozialer Praxis in unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern und Lebensbereichen und mit Blick auf Veränderungen kultureller Normen und Konstrukte von „Normalität‘ und ‚Pathologie‘ erforscht hat.

Die Teilprojekte untersuchen dazu folgende Bereiche digital quantifizierender Optimierung:

  • Tp I (Jena): Die Bedeutung von und Orientierung an Zahlen in den Handlungspraktiken und Interaktionsmodi professioneller Organisationen.
  • Tp II (Frankfurt/M.): Die Bedeutung von und Orientierung an Zahlen, insbesondere in der Beziehungsgestaltung in Social Media in Relation zur nicht-digitalen und facetoface-Kommunikation (Frankfurt) sowie in Relation zu PatientInnengruppen (Berliner Sample).
  • Tp III (Berlin): Die Bedeutung von und Orientierung an Zahlen unter besonderer Berücksichtigung der Körperpraxis von PatientInnen sowie in Relation zu NichtPatientInnen (Frankfurter Sample).

Das Projekt setzt in seiner dreigliedrigen transdisziplinären Untersuchungsanlage und mittels Methodentriangulation (quantitative und verschiedene qualitative Zugänge) den im APAS-Projekt erfolgreich eingeschlagenen Weg fort, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ebenen des Sozialen sowie die Spannung von Normierungen und Praxisveränderungen bis hin zu Überforderungs- und Pathologiepotenzialen zu analysieren sowie neue konzeptuelle und methodologische Zugänge zur Analyse der Vermittlungen von Gesellschaft und Individuum, Kultur und Psyche zu entwickeln.

Veranstaltungen

Symposion von SFI & IPU am 14.12.2018 im Sigmund-Freud-Institut (Frankfurt, M.) zu

‚Pathologie und Normalität in der Gegenwart.
Ambivalenzen des Messens, Zählens und Klassifizierens in Psychoanalyse und Kultur‘

Gemeinsame Tagung des Sigmund-Freud-Instituts und der International Psychoanalytic University unter Mitwirkung von:
Benigna Gerisch, Dorothea Huber, Vera King, Joachim Küchenhoff, Patrick Meurs, Reinhard Otte, Ilka Quindeau, Christa Rohde-Dachser, Hartmut Rosa, Felix Schoppmann, Annabelle Starck, Heinz Weiß, Charlotte Findeis, Diana Lindner, Benedikt Salfeld, Micha Schlichting, Julia Schreiber, Stella Voigt, Uwe Vormbusch, Rolf-Peter Warsitz

Tagungsinhalt: Gegenstand dieser Tagung sind kulturelle und psychische Bedeutungen des Messens, Zählens und Klassifizierens – die Ambivalenzen von Maß, Zahl und Taxonomie für soziale und individuelle Praxis, in Psychotherapie und Diagnostik, Psychoanalyse und Kultur. Dabei werden auch Folgen einer in hohem Maße auf quantitative Steigerung ausgerichteten Optimierungslogik ausgelotet, die im Zuge des digitalen Wandels an Bedeutung gewonnen hat und neue Relationen von Pathologie und Normalität erzeugt.
Von Interesse sind daher sowohl Bedeutungen des Messens für individuelle oder soziale ‚Pathologien‘ als auch neue Varianten der ‚Normalisierung‘ destruktiver Formen der Beziehung zu Selbst und Anderen.

Programm mit Flyer

Publikationen

Monografien und Herausgeberschaften

King, V., Gerisch, B. & Rosa, H. (Hg.) (2021): Lost in Perfection. Zur Optimierung von Gesellschaft und Psyche. Berlin: Suhrkamp (im Erscheinen).

King, V. & Gerisch, B. (Hg.) (2019): Digitalisierung. Folgen für Psyche und Kultur. Doppelheft der Zeitschrift Psyche, 73(9).

King, V., Gerisch, B. & Rosa, H. (Hg.) (with editorial assistance from Schreiber, Julia & Salfeld, Benedikt). (2019): Lost in Perfection. Impacts of Optimisation on Culture and Psyche. London: Routledge (Paperback).

Schreiber, J. (2021): Körperoptimierung. Selbstverbesserung zwischen Grenzüberschreitung und Leibgebundenheit. Wiesbaden: Springer VS (im Erscheinen).

Zeitschriftenbeiträge

Findeis, Ch., Salfeld, B., Voigt, St., Gerisch, B., King, V. & Ostern, A. R. (2020): Quantifying Self-Quantification. A Statistical Study on Individual Characteristics and Motivations for Digital Self-Tracking in Young- and Middle-Aged Adults in Germany. New Media & Society (im Erscheinen).

King, V. (2018): Geteilte Aufmerksamkeit. Kultureller Wandel und psychische Entwicklung in Zeiten der Digitalisierung. Psyche, 72,  640-665.

King, V. (2019): „Wenn Du Dein wahres Gesicht zeigen würdest, würdest Du 10 000 Follower verlieren …“. Schamkonflikte in Zeiten digitaler Selbstpräsentation und Vermessung. Forschung Frankfurt, 1.2019,  82-86.

King, V. (2020): „Lots of people pretend …” Shame Conflicts in an Age of Digital Self-presentation and Point-scoring. Beijing International Review of Education, 2(3), 388-402.

King, V. (2021): „The Assault of the Present on the Rest of Time” – Optimization and the Dissolution of Temporal Boundaries in Accelerated Modernity. Pléyade. Journal of Humanities and Social Sciences (im Erscheinen).

King, V. & Gerisch, B. (2018): Selbstvermessung als Optimierungsform und Abwehrkorsett. Fallstudie eines begeisterten Self-Trackers. psychosozial, 152, 35-46.

King, V. & Gerisch, B. (2019). Digitalisierung – Folgen für Kultur und Psyche. Editorial. Psyche, 73(9), 633-643.

King, V., Gerisch, B. & Schreiber, J. (2020): „…to really have everything completely perfect”: On the Psychodynamics of Contemporary Forms of Body Optimization. Psychoanalytic Psychology, 37(2), 148-157

King, V., Gerisch, B., Rosa, H., Schreiber, J., Findeis, Ch., Lindner, D., Salfeld, B., Schlichting, M., Stenger, M. & Voigt, St. (2019): Psychische Bedeutungen des digitalen Messens, Zählens und Vergleichens. Psyche, 73(9), 744-770.

King, V., Gerisch, B., Schreiber, J. & Salfeld, B. (2020): Der perfektionierte und der malträtierte Körper. Optimierungspraktiken zwischen Pathologie und neuer Normalität. Psychodynamische Psychotherapie, 4, 394-404.

Rosa, H. (2018): Dynamische Stabilisierung oder metrische Singularisierung? Soziopolis. Gesellschaft beobachten. https://www.soziopolis.de/die-gesellschaft-der-singularitaeten-8.html, zuletzt angerufen am 18.05.2021.

Sammelband-Beiträge

Gerisch, B., Salfeld, B., Beerbom, Ch., Busch, K. & King, V. (2019): Optimisation by Knife: On Types of Biographical Appropriation of Aesthetic Surgery in Late Modernity. In: V. King, B. Gerisch & H. Rosa (Hg.), Lost in Perfection. Impacts of Optimisation on Culture and Psyche. London: Routledge, 131-145.

Gerisch, B., Salfeld, B., Beerbom, Ch., Busch, K. & King, V. (2021): „Wer schön sein will, muss schneiden“: Zur Psychodynamik biographisch disponierter Instrumentalisierung von Schönheitschirurgie. In: V. King., B. Gerisch & H. Rosa (Hg.), Lost in Perfection. Zur Optimierung von Gesellschaft und Psyche. Berlin: Suhrkamp (im Erscheinen).

King, V., Gerisch, B. & Rosa, H. (2019): ‚Lost in Perfection’ – Ideals and Performances. In: V. King, B. Gerisch & H. Rosa (Hrsg.), Lost in Perfection. Impacts of Optimisation on Culture and Psyche. London: Routledge, 1-9.

King, V., Schreiber, J., Uhlendorf, N. & Gerisch, B. (2019): Optimising Patterns of Life Conduct – Transformations in Relations to the Self, to Others and Caring. In: V. King, B. Gerisch & H. Rosa (Hg.), Lost in Perfection. Impacts of Optimisation on Culture and Psyche. London: Routledge, 61-72.

King, V., Gerisch, B., Rosa, H., Schreiber, J., Findeis, Ch., Lindner, D., Salfeld, B., Schlichting, M., Stenger, M. & Voigt, St. (2021): Optimierung mit Zahlen und digitalen Parametern: Psychische Bedeutungen des digitalen Messens und Vergleichens. In: V. King, B. Gerisch & H. Rosa (Hg.), Lost in Perfection. Zur Optimierung von Gesellschaft und Psyche. Berlin: Suhrkamp (im Erscheinen).

King, V., Gerisch, B., Schreiber, J. Lindner, D., Lodtka, P., Schlichting, M. & Stenger, M. (2021): Zum Sinn der Zahl in digitalen Lebens- und Arbeitswelten. Ambivalente Bedeutungen des Messens und Vergleichens. In: Ch. Schnell, S. Pfeiffer & R. Hardenberg (Hg.), Gutes Arbeiten im digitalen Zeitalter. Frankfurt/M.: Campus (im Erscheinen).

King, V. & Rosa, H. (2021): Vom Dringlichen zum Wichtigen. In unseren explodierenden To-do-Listen steht oft nicht ganz oben, was wirklich zählt. Lehrt uns Corona, das zu ändern? In: Th. Kaspar & St. Hebel (Hg.), Heile Welt. 32 Ideen für ein Leben nach Corona. Frankfurt/M.: Societäts-Verlag Frankfurter Rundschau, 142-147.

King, V., Schreiber, J., Uhlendorf, N. & Gerisch, B. (2021): „Da habe ich eben Besseres vor“: Wie sich Effizienz- und Optimierungsimperative auf Beziehungen sowie Sorge für sich und andere auswirken. In: V. King, B. Gerisch & H. Rosa (Hg.), Lost in Perfection. Zur Optimierung von Gesellschaft und Psyche. Berlin: Suhrkamp (im Erscheinen).

Lindner, D. & Sasse, U. (2021): Institutionalisierte Subjektivierung: normalisierende Bewertungsvorgänge in organisationalen Dienstleistungspraktiken. In: F. Meier & T. Peetz (Hg.), Organisation und Bewertung. Wiesbaden: VS Verlag (im Erscheinen).

Rosa, H. (2018): Jenseits der Optimierungsprozesse. Arbeit am Resonanzgeschehen. In: M. W. Ramb & H. Zaborowski (Hg.), Arbeit 5.0. Warum ohne Muße alles nichts ist. Göttingen: Wallstein Verlag, 119-130.

Rosa, H., Lindner, D. & Oberthür, J. (2019): The Missing Link: How Organizations Bridge the Gap between dynamic stabilization and individual optimization. In: V. King, B. Gerisch & H. Rosa (Hg.), Lost in Perfection. Impacts of Optimisation on Culture and Psyche. London: Routledge, 36-48.

Rosa, H., Lindner, D. & Oberthür, J. (2021): Missing Link: Wie Organisationen die Imperative dynamischer Stabilisierung und das individuelle Streben nach Selbstoptimierung zur Passung bringen. In: V. King, B. Gerisch & H. Rosa (Hg.), Lost in Perfection. Zur Optimierung von Gesellschaft und Psyche. Berlin: Suhrkamp (im Erscheinen).

Schlichting, M., Stenger, M., King, V., Gerisch, B., Salfeld, B. & Schreiber, J. (2021): „Es hat schon so ein gewisses Suchtpotential“: Selbstvermessung als neue digitale Normalität. In: A. Manzei-Gorsky (u.a.), Digitalisierung und Gesundheit. Baden-Baden: Nomos Verlag (im Erscheinen).

MitarbeiterInnen

Prof. Dr. Vera King
Sprecherin, Projektleiterin (Teilprojekt Frankfurt/M.)
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
60629 Frankfurt am Main
E-Mail: king@soz.uni-frankfurt.de
Homepage

sowie Sigmund-Freud-Institut
Myliusstraße 20
60323 Frankfurt am Main
king@sigmund-freud-institut.de

Prof. Dr. Benigna Gerisch
Projektleiterin (Teilprojekt Berlin)
International Psychoanalytic University Berlin
Stromstraße 3b
10555 Berlin
E-Mail: benigna.gerisch@ipu-berlin.de
Homepage

Prof. Dr. Hartmut Rosa
Projektleiter (Teilprojekt Jena)
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 2
07743 Jena
E-Mail: hartmut.rosa@uni-jena.de
Homepage

Charlotte Findeis, M.Sc.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
International Psychoanalytic University Berlin
Stromstr. 3b – Room 1.44
10555 Berlin
Tel.: +49 30 300 117-774
E-Mail: charlotte.findeis@ipu-berlin.de
Homepage

Dr. Diana Lindner
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiss-Straße 3
07743 Jena
Tel.: +49 (0)3641 9-45518
E-Mail: diana.lindner@uni-jena.de

Benedikt Salfeld, M.A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
International Psychoanalytic University Berlin
Stromstraße 3b
10555 Berlin
Tel.: +49 30 300 117-744
E-Mail: benedikt.salfeld@ipu-berlin.de
Homepage

Micha Schlichting, M.A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Sigmund-Freud-Institut
Myliusstraße 20
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 971204 155
E-Mail: schlichting@sigmund-freud-institut.de
Homepage

Maike Stenger, M.Sc.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Sigmund-Freud-Institut
Myliusstraße 20
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 971204 134
E-Mail: stenger@sigmund-freud-institut.de
Homepage

Dr. des Julia Schreiber
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Theodor-W.-Adorno-Platz 6
60629 Frankfurt am Main
E-Mail: j.schreiber@soz.uni-frankfurt.de
Homepage

sowie Sigmund-Freud-Institut
Myliusstraße 20
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 971204 116
E-Mail: schreiber@sigmund-freud-institut.de

Stella Voigt M.A.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
International Psychoanalytic University Berlin
Stromstr. 3b – Room 1.44
10555 Berlin
Tel.: +49 30 300 117-772
E-Mail: stella.voigt@ipu-berlin.de

Kontakt

So erreichen Sie uns: dasvermesseneleben@soz.uni-frankfurt.de

Projektsprecherin
Prof. Dr. Vera King
E-Mail: king@soz.uni-frankfurt.de

Teilprojekt Jena
Dr. Diana Lindner
Tel.: +49 (0)3641 9-45518
E-Mail: diana.lindner@uni-jena.de

Teilprojekt Frankfurt a.M.
Dr. des Julia Schreiber
Tel.: +49 69 971204 116
E-Mail: j.schreiber@soz.uni-frankfurt.de
oder E-Mail: schreiber@sigmund-freud-institut.de

Teilprojekt Berlin
Benedikt Salfeld M.A.
Tel.: +49 30 300 117-744
E-Mail: benedikt.salfeld@ipu-berlin.de